Politische Historie

 

Ein schlaglichtartiger Einblick in die historische Entwicklung macht nicht nur die Vehemenz deutlich, mit der einige Akteure die weitere Bebauung des Meßdorfer Feldes betreiben, sondern legt auch beredtes Zeugnis ab über die Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit politischer Aussagen. Aber lesen Sie selbst:

 

18.10.1974

Zur Bebauung Brüser Berg und Grächt zitiert die Bonner Rundschau den stv. Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Duisdorf und Mitglied des Stadtbezirksausschusses Hardtberg: „Lorth forderte nun eine ‚konsequente Anwendung des Klimagutachtens’.“

22.03.1979

BR zitiert den Stadtverordneten Gerhard Lorth: „Das Meßdorfer Feld bleibt uns allen erhalten.“

31.03.1989

GA zitiert Gerhard Lorth: „Das Meßdorfer Feld soll nicht zugebaut werden.“ Aber auch: „Eine Herausnahme aus dem Landschaftsschutz ist kein Problem.“

Herbst 1991

Umweltausschuss Bonn spricht sich einstimmig gegen die Bebauung des Gebietes „Am Bruch“ aus.

Januar 1992

Umweltausschuss spricht sich erneut einstimmig gegen die Bebauung des Gebietes „Am Bruch“ aus.

13.02.1992

In geheimer Abstimmung spricht sich der Rat der Stadt Bonn mehrheitlich für die Offenlage des Landschaftsplanes Kottenforst aus – und damit bewusst auch für die Freihaltung des Gebietes „Am Bruch“.

Anfang April 1992

Stadtrat stimmt auf Betreiben von Gerhard Lorth erneut über den Landschaftsplan ab und revidiert das Votum vom Februar.

Aussage von Gerhard Lorth (zitiert nach GA vom 04.04.92): „Den Unfug des Umweltausschusses mache ich nicht mehr mit.“ – Mit Bezug auf das Klimagutachten: „Solche Gutachten werden aus dem Lehnsessel derjenigen erstellt, die eine Wohnung haben.“ Protest der Autoren folgte.

07.10.1992

GA zitiert die Falschaussage von G. Lorth: „Das Gelände [„Am Bruch“] ist Bauland und entschädigungspflichtig.“

[Zur Erläuterung: Es ist noch kein Bebauungsplan rechtskräftig, auf den sich Entschädigungsforderungen von Eigentümern stützen könnten. Aus dem Flächennutzungsplan sind diese Forderungen nicht ableitbar.]

21.12.1994

Mit Mehrheit von SPD und Grünen beauftragt der Stadtrat die Verwaltung u.a., die planerischen Voraussetzungen für die Freihaltung des Meßdorfer Feldes zu schaffen.

03.08.1999

Im Kommunalwahlkampf fordert die FDP Hardtberg die Bebauung von 40% des Meßdorfer Feldes: „Es reicht doch, wenn 100 Hektar freibleiben“ (Erika Sebaldt, GA 04.08.99).

09.08.1999

CDU-Stadtratskandidat Markus Schuck und Michael Salitter erläutern die Ergebnisse ihrer Umfrage in Endenich. Schuck: „Nur ein Konzept, welches das Meßdorfer Feld als Frischluftschneise, Naherholungsgebiet und landwirtschaftliche Nutzfläche erhält, wird dem Anliegen der befragten Endenicher gerecht“ (GA, 11.08.99)

November 1999

„Das Meßdorfer Feld an sich bleibt frei und wird nicht bebaut“ (Gerhard Lorth und Benedikt Hauser, GA)

21.06.2000

Der Antrag von Bezirksvorsteher Lorth u.a., den Ratsbeschluss vom 21.12.94 aufzuheben und das Bebauungsplanverfahren für das Gebiet „Am Bruch“ fortzuführen, ergeht als Anregung an der Rat der Stadt Bonn.

21.06.2000

Ein inhaltsgleicher Antrag des BV Salitter u.a. für die Sitzung der Bezirksvertretung Bonn wird zurückgezogen.

August 2000

Die „Bürgerinitiative für die Erhaltung des Meßdorfer Feldes“ nimmt ihre Arbeit wieder auf.

31.08.2000

Der Rat beschließt mehrheitlich den leicht abgeänderten Antrag aus der Bezirksvertretung Hardtberg. Damit steht formal das gesamte Meßdorfer Feld zur Disposition; für das Gebiet „Am Bruch“ wird das Bebauungsplanverfahren wieder aufgenommen.

09.11.2000

Gerhard Lorth „schließt nicht aus, dass Randbereiche [des Meßdorfer Feldes] für eine Wohnbebauung vorgesehen werden, das heißt etwa zehn bis 15 Prozent der Gesamtfläche von 180 Hektar“ (GA).

Das Gebiet „Am Bruch“ umfasst etwa 13 Hektar.

19.01.2001

CDU-Planungssprecher Benedikt Hauser schreibt der Bürgerinitiative: „Es wird aber von einem Gesamtkonzept für das Meßdorfer Feld abhängen, ob es zu einer Bebauung von geringfügigen Teilflächen (etwa am Hermann-Wandersleb-Ring, an der Trasse der Hardtbergbahn) kommt.“ Außerdem: „Das Gebiet ‚Am Bruch’ gehört nicht zum Meßdorfer Feld“.

Die von B. Hauser namens der CDU-Ratsfraktion angebotenen Diskussionen kommen trotz konkreter Nachfragen seitens der Bürgerinitiative nicht zustande.

März 2001

Bezirksvorsteher Lorth bietet bei einer Bürgerversammlung am 08.03. in Duisdorf der Bürgerinitiative eine Wette an: Wer sammelt mehr Unterschriften, Lorth für die Bebauung oder die Initiative für die Freihaltung? Die Initiative nimmt die Wette schriftlich an, doch Lorth macht einen Rückzieher. Begründung: Die Bürgerinitiative verbreite „wirres Zeug“ (GA, 14.03.).

23.03.2001

Die Bürgerinitiative beantragt beim Rat der Stadt Bonn, durch eine repräsentative Umfrage zu ermitteln, ob sich die Mehrheit der Bonner Bürger für eine weitere Bebauung des Meßdorfer Feldes ausspricht oder für seine Freihaltung in der heutigen Form.

25.04.2001

250 interessierte Bürgerinnen und Bürger besuchen die Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative im Helmholtz-Gymnasium. CDU-Bezirksfraktionschef Heinz Hentschel gibt erstmals öffentlich zu, dass seine Partei auch die Bebauung entlang des Hermann-Wandersleb-Ringes und der Stadtgärtnerei vorhat und dass sich das „Gesamtkonzept“ der CDU nur auf die dann noch vom Feld übrigen Restflächen beschränken wird.

18.05.2001

Die CDU präsentiert ihre Vorstellungen in Form eines Antrages an die Verwaltung und bestätigt damit die Ankündigung von Heinz Hentschel: Nur etwa 135 Hektar (80 Prozent) des Meßdorfer Feldes sollen zunächst übrig bleiben, 20 Prozent bebaut werden. „Verkauft“ werden diese Vorstellungen als „Konzept zur Sicherung der Freifläche“.

28.06.2001

Sechs Wochen später wird dieser Antrag vom Rat mit Mehrheit beschlossen. Vertagt wird lediglich der Bereich um die Stadtgärtnerei.

21.07.2001

Blumen und besonderer Dank für Inge Berger: Sie leistet am Infostand der Bürgerinitiative in der Endenicher Fußgängerzone die 5.000 Unterschrift für die Freihaltung des Meßdorfer Feldes.

18.09.2001

Der Stadtrat fasst mehrheitlich den Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 7421-14 – das formelle Planverfahren zur Bebauung des Gebietes „Am Bruch“ beginnt.

26.09.2001

Zusammen mit vier weiteren Gruppen und Naturschutzverbänden stellt die Bürgerinitiative ihren zweiten Bürgerantrag. Inhalt: Wichtige Bonner Freiflächen sind von Bebauung und Erschließung freizuhalten, Frischluftschneisen planerisch darzustellen und Pläne und Planungen daran anzupassen. Die Antragsteller erinnern die CDU daran, dass genau dies 20 Jahre zuvor ihre eigene politische Leitlinie war.

23.10.2001

Der Hauptausschuss der Stadt Bonn lehnt bei seiner abschließenden Beratung den ersten Bürgerantrag für eine repräsentative Umfrage zum Meßdorfer Feld mit der Mehrheit von CDU und FDP ab.

Oktober 2001

Die Junge Union Hardtberg führt in Duisdorf eine Umfrage zur Bebauung des Meßdorfer Feldes durch. Die Bürgerinitiative kritisiert die schlechte Vorbereitung und falsche Informationen, ruft aber dennoch zum Mitmachen auf und vereinbart mit der JU, die Ergebnisse gemeinsam zu diskutieren.

28.10.2001

Die Bürgerinitiative erinnert den Stadtverordneten Markus Schuck (CDU, Endenich) an seine Zusage vom 28.08.01 in der Bezirksvertretung Bonn, über die Zukunft des Meßdorfer Feldes zu diskutieren. Sie bleibt – ebenso wie eine erneute Nachfrage im Januar 2002 – unbeantwortet.

Januar 2002

Eine Nachfrage bei den Aktiven der Jungen Union nach den Ergebnissen der Umfrage und den hieraus zu ziehenden Konsequenzen bleibt, ebenso wie eine erneute Nachfrage im April, unbeantwortet.

16.01.2002

Die CDU hält, so ihr Stadtverordneter Michael Salitter vor dem Planungsausschuss, als einzige Partei an ihrer Auffassung fest: Das Gebiet „Am Bruch“ gehört nicht zum Meßdorfer Feld.

19.03.2002

Der Hauptausschuss lehnt den zweiten Bürgerantrag vom 26.09.01 mit Mehrheit gegen SPD und Grüne ab.

April 2002

Kurz vor der Verhaftung Reiner Schreibers nennt der designierte Nachfolger an der CDU-Fraktionsspitze, Benedikt Hauser, als eines der drei großen „Umweltschutzprojekte der CDU“ die „Sicherung des weitaus größten Teils des Meßdorfer Feldes als Frei- und Naherholungsfläche“ (GA, 08.04.).

10.07.2002

Nach vielen vergeblichen Versuchen endlich ein Gespräch der Bürgerinitiative mit Vertretern der CDU-Ratsfraktion. Ergebnis: CDU hält an ihrer parteiintern vereinbarten Position fest, nur über die Restflächen des Meßdorfer Feldes diskutieren zu wollen. Die Baugebiete stehen nicht mehr zur Disposition.

27.08.2002

Die Bürgerinitiative richtet eine Informationsveranstaltung zur Zukunft der Stadtgärtnerei aus. Die CDU, die deren Schließung betreibt, wird eingeladen, weigert sich aber zu kommen. Dies wird in der gut besuchten Versammlung kritisiert. Offene Fragen werden gesammelt und von der Initiative an Parteien, Stadtverwaltung und Presse verteilt.

30.08.2002

Demo zur Erhaltung des Spielplatzes am Maarweg / Ecke Helmholtzstraße: Der Spielplatz ist Teil des Bebauungsplangebietes „Am Bruch“ und soll gemäß Planentwurf bebaut werden. Bezirksvorsteher Lorth ist dabei. Er kennt diese Unterlagen angeblich nicht und sagt den besorgten Eltern zu, dass der Spielplatz erhalten bleibt.

29.10.2002

Die Bezirksvertretungen Bonn und Hardtberg beschließen die frühzeitige Bürgerbeteiligung im Zuge der geplanten Bebauung des Geländes "Am Bruch".

26.11.2002

Bürgerversammlung zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Helmholtzgymnasium.